Wenn Sie den Parallel und Kurzschwung problemlos beherrschen und inzwischen jeden Berg, sei es eine rote oder schwarze Piste hinuntersausen können, ist es an der Zeit, die Carving-Technik zu erlernen. Sie können dies selbst tun oder – noch besser – es bei einem Carvingkurs in der Skischule lernen.

 

Carving sieht nicht nur gut aus, sondern macht auch irre viel Spaß. Carven bedeutet, dass Sie sehr viel mehr als bisher gewohnt auf der Kante stehen und damit die Kurven schneiden, ohne dabei zu rutschen. Dabei geht es um die perfekte Drehung mit geschnittenen Schwüngen, die den Fahrspaß auf der präparierten Piste noch maximiert. 

Der Carving Schwung blieb vor der Erfindung der extrem taillierten Carvingskier nur Profis und sehr guten Skifahrern vorenthalten. Heute ermöglicht es die neue Skitechnik auch Fortgeschrittenen, Kurven elegant zu schneiden, ohne dabei zu driften und das Carving Erlebnis zu genießen. Der Ski lässt sich durch die enorm schmalere Mitte als bei den Vorder- und Endstücken sehr viel einfacher drehen.

Dennoch soll die richtige Carvingtechnik gelernt sein. Einfach nur die Kanten zu belasten reicht nicht aus. Auch der beste Carvingski macht noch lange keinen Meister aus Ihnen, wenn Sie nicht wissen, wie Sie die wichtigsten Bewegungen machen und das Beste aus ihm herausholen. 

Was Sie zum Üben der Carvingtechnik brauchen, sind Carvingskier und eine mittelschwere Piste, die gut in Schuss ist. Zudem sind Kraft und Ausdauer vonnöten, da Sie Ihre Muskeln gezielter einsetzen müssen als beim normalen Skifahren. Mit unseren wichtigsten Tipps zum Carven lernen katapultieren Sie Ihr Skierlebnis in ungeahnte Höhen (nicht nur auf Dreitausender).

 

1.    Die Ausgangsposition beim Carven

Beim Carven nehmen Sie eine etwas weitere Skistellung ein, als Sie es bislang gewohnt sind. Während Sie bisher die Skier etwa hüftbreit hielten, stellen Sie sie nun schulterbreit. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, mehr mit den Beinen und besonders den Knien zu arbeiten.

Der Rest der Position bleibt gleich. Die Knie und Fußgelenke sind leicht gebeugt und Sie drücken Ihre Schienbeine gegen den Skischuh. Auch die Hand- und Armposition bleibt wie gewohnt etwa zehn Zentimeter vor Ihrem Oberkörper.

 

2.    Die Beinarbeit beim Carven

Die Position und der Einsatz der Beine sind das Wichtigste beim Carven. Hier sind Ihre Muskeln gefragt, denn Sie müssen aktiv Druck auf die Skier ausüben. Wenn Sie in die Kurve einfahren, pressen Sie auf die Innenkante des Außenskis (Talski) und verlagern Ihr Körpergewicht nach vorne. 

Beim Carven beginnen Sie schon viel früher mit dem Aufkanten als beim normalen Parallelschwung. Dies erreichen Sie, indem Sie Ihren gesamten Körper zur Kurvenmitte lehnen. Sie gehen noch mehr in die Knie und drücken sie gegen den Berg. Stellen Sie sich vor, Sie fahren Motorrad und Sie lehnen sich dabei in die Kurven.

Pressen Sie Ihr Becken so weit wie möglich nach unten, wodurch Sie den Druck verstärken. Dabei belasten Sie beide Brettl, wobei der talabwärts zeigende Ski allerdings ein wenig stärker belastet wird als der Bergski. Durch die beidbeinige Belastung beim Carven werden Sie in den Kurven schneller und halten dabei jedoch Ihre Stabilität. 


3.    Die Körperarbeit beim Carven

Beim Skifahren lernen und dem Üben des Parallelschwungs wurde Ihnen eingetrichtert, dass Sie in den Kurven immer eine Hoch- und Tiefbewegung machen müssen. Dies fällt beim Carven weg. 

Die Hauptkörperarbeit bei der Carvingtechnik besteht darin, den Körper immer zentral über den Skiern zu halten. Sie gleichen über Ihre Fuß-, Knie- und Hüftgelenke lediglich das Gelände aus, ohne jedoch spürbare Auf- und Abbewegungen zu machen. 

Ihr Oberkörper bleibt also immer mehr oder weniger in der gleichen Position, außer dass Sie sich in die Kurve lehnen wie beim Motorradfahren. Die ganze Arbeit wird ab der Hüfte gemacht. 

Zusammengefasst heißt es, Sie haben eine leicht breitere Skiführung als bisher, Sie verlagern Ihr Körpergewicht mehr nach vorne und lehnen sich in die Kurve. Sie üben so früh wie möglich starken Druck auf sie Innenkante es Außenskis (Talski) aus, indem Sie Ihre Knie gegen den Berg drücken. Sie belasten jedoch beide Skier. Ihr Oberkörper bleibt immer auf der gleichen Höhe, sprich keine Hoch-Tief-Bewegungen.

 

4.    Übung, mit der Sie die Carving-Technik lernen können

  • Lassen Sie bei dieser Übung erst einmal Ihre Skistöcke weg. 
  • Suchen Sie sich einen mittelschweren Hang zum Carven lernen. 
  • Fahren Sie parallel zum Hang, nehmen Sie dabei noch nicht zu viel Fahrt auf, um sich auf Ihre Haltung konzentrieren zu können. 
  • Legen Sie Ihre Hände auf die Knie und drücken Sie diese während der Fahrt zur Bergseite.
  • Halten Sie dabei Ihre Beine schulterbreit und verlagern Sie zu 60 Prozent Ihr Gewicht auf den Talski.
  • Achten Sie darauf, dass Sie dabei nicht rutschen. 

Mit dieser Übung bemerken Sie, dass Sie automatisch den Berg hochfahren, wenn die Kante durch das Drücken der Knie gegen den Berg greift. Machen Sie es richtig, rutschen Sie dabei kein bisschen ab. Sie können es kontrollieren, indem Sie sich Ihre Fahrlinie ansehen. Diese sollte aussehen wie der Verlauf von Schienen. 

Wiederholen Sie diese Übung so lange, bis Sie wirklich nicht mehr abrutschen.

  • Sitzt das, fahren Sie nicht mehr parallel zum Hang, sondern bergab. 
  • Sie halten noch immer die gleiche Position wie bei der ersten Variante der Übung. Doch nun versuchen Sie das Gleiche mit mehr Geschwindigkeit. 
  • Klappt auch das, nehmen Sie Ihre Hände von den Knien. Versuchen Sie, die Kniebewegung und damit den Druckaufbau auf die Innenkante des Außenskis ohne Hilfe Ihrer Hände durchzuführen.
  • Lehnen Sie dabei Ihren Körper in Richtung Berg. 
  • Im nächsten Schritt können Sie wieder die Stöcke benutzen. 

Sie werden schnell erkennen, dass Sie beim richtigen Carven durch den verstärkten Druck und das „in die Kurve legen“, mehr Geschwindigkeit aufnehmen und dabei dennoch viele Kurven fahren. Und genau das ist es, was die Schwünge auf der Kante ausmacht! 

Wenn Sie Motorradfahrer sind, werden Sie von dieser Skitechnik begeistert sein, denn Carven erinnert ein wenig an eine Serpentinenfahrt auf dem Bike. Jetzt gibt es nur noch eines, um den Schneehimmel auf Erden zu beenden: das Ende Ihres Skiurlaubs.

Wem auch das noch nicht genug ist, für den haben wir die besten Tipps zum Freeriden zusammengestellt.