Ein Leitfaden für Skitouren-Anfänger

Was ist Skitourengehen und warum ist es so beliebt?

Skitourengehen, oft synonym mit Backcountry-Skifahren oder Skibergsteigen verwendet, ist die Kunst, die winterlichen Berge außerhalb der Skigebietsgrenzen ohne die Hilfe von Skiliften zu erkunden. Es beinhaltet das Aufsteigen von Hängen auf Skiern, bevor die Steighilfen entfernt werden und man wieder abfährt. Dieses einfache Konzept eröffnet eine Welt der Freiheit, des Abenteuers und des unberührten Schnees, die eine stetig wachsende Zahl von Skifahrern in ihren Bann gezogen hat.

Ablauf einer Skitour1AufstiegFelle drauf, Fersefrei2ÜbergangFelle ab, Schuhefixiert3AbfahrtBelohnung imPulverschnee

Der Reiz liegt im Kontrast zum traditionellen Skifahren im Skigebiet. Anstelle von Warteschlangen und überfüllten Pisten bietet das Skitourengehen Einsamkeit und eine tiefe Verbindung mit der Natur. Die körperliche Herausforderung des Aufstiegs ist ein zentraler Teil des Erlebnisses und fördert ein tiefes Gefühl der Errungenschaft. Skifahrer sprechen oft davon, „sich seine Schwünge zu verdienen“, und die Abfahrt durch unberührten Pulverschnee, fernab jeglicher Spuren, ist eine Belohnung, die kaum zu übertreffen ist. Es ist ein ganzheitliches Bergerlebnis, das die Freude am Skifahren mit dem Geist des Wanderns und Bergsteigens verbindet.

Die Mechanik: Wie funktioniert Skitourengehen?

Das Skitourengehen basiert auf spezialisierter Ausrüstung, die genial für den Aufstieg und die Abfahrt konzipiert ist. Der Prozess lässt sich in drei Phasen unterteilen: der Aufstieg, der Übergang und die Abfahrt.

Der Aufstieg: Um bergauf zu steigen, befestigen Skifahrer „Felle“ an der Unterseite ihrer Skier. Dies sind Stoffstreifen, typischerweise eine Mohair-Nylon-Mischung, mit einem gerichteten Flor, der vorwärts gleitet, aber am Schnee haftet, um ein Zurückrutschen zu verhindern. Spezielle Tourenbindungen ermöglichen es, die Ferse vom Ski zu lösen, wodurch ein Scharnier an der Zehe entsteht, das eine natürliche Geh- oder Gleitbewegung ermöglicht. Tourenskischuhe haben einen „Gehmodus“, der es dem Schaft erlaubt zu schwenken, was eine größere Beweglichkeit des Knöchels für ein bequemes Aufsteigen bietet.

Der Übergang: Nach Erreichen des Gipfels oder des gewünschten Punktes für den Beginn der Abfahrt führt der Skifahrer einen Übergang durch. Dies beinhaltet das Abschnallen der Skier, das Abziehen der Felle und das Verstauen im Rucksack. Die Bindungen werden dann vom „Gehmodus“ in den „Skimodus“ umgeschaltet, wodurch die Ferse fest mit dem Ski verbunden wird. Schließlich werden die Schuhe fest geschnallt und wieder in ihren steifen Skimodus geschaltet.

Die Abfahrt: Mit der für die Abfahrt konfigurierten Ausrüstung ist die letzte Phase reines Skifahren. Dies ist die Belohnung für die Mühe des Aufstiegs: frische Spuren durch variable, unpräparierte Schneebedingungen zu ziehen, von tiefem Pulverschnee bis zu frühlingshaftem Firnschnee.

Ist Skitourengehen das Richtige für Sie? Fitness und Skifahrkönnen

Obwohl die Verlockung des Backcountry groß ist, ist es keine Aktivität für jedermann. Es erfordert eine spezifische Kombination aus körperlicher Fitness und skifahrerischer Kompetenz.

Fitnesslevel

Skitourengehen ist ein anstrengendes Herz-Kreislauf-Training. Der Aufstiegsteil ähnelt dem Wandern auf einem steilen Hügel für mehrere Stunden in der Höhe, während man einen Rucksack trägt. Eine gute Grundlagenausdauer ist unerlässlich. Wenn Sie Aktivitäten wie Laufen, Radfahren oder Bergwandern genießen und eine moderate Anstrengung für einige Stunden aufrechterhalten können, haben Sie wahrscheinlich die erforderliche Fitness für eine Einsteigertour. Es ist immer ratsam, mit kürzeren, weniger anspruchsvollen Zielen zu beginnen und Ihre Ausdauer schrittweise aufzubauen.

Skifahrkönnen

Sie müssen kein Profi-Skifahrer sein, aber Sie müssen ein sicherer und kompetenter Off-Piste-Fahrer sein. Im Backcountry gibt es keine Pistenraupen. Sie werden auf jede erdenkliche Schneeart stoßen, oft auf derselben Abfahrt: tiefer Pulverschnee, schwerer Sulz, windgepresster Harsch und Eis. Sie müssen in der Lage sein, Ihre Geschwindigkeit zu kontrollieren und starke, verbundene Schwünge auf abwechslungsreichem Gelände auszuführen, weit entfernt von der Sicherheit eines überwachten Bereichs. Das Skitourengehen ist keine geeignete Umgebung, um das Skifahren zu lernen.

Essentielle Skitourenausrüstung

Die richtige Ausrüstung zu haben, ist nicht nur eine Frage der Leistung; es geht grundlegend um Sicherheit. Obwohl es möglich ist, die meisten Gegenstände zu mieten, umfasst eine typische Ausrüstung:

  • Ski, Schuhe und Bindungen: Dieses Kern-Setup ist speziell für das Tourengehen konzipiert. Ski sind in der Regel leichter als ihre alpinen Gegenstücke. Schuhe verfügen über einen Gehmodus und griffige Sohlen. Bindungen ermöglichen das Anheben der Ferse für den Aufstieg und das Arretieren für die Abfahrt.
  • Steigfelle und Stöcke: Felle sorgen für den Halt beim Aufstieg. Längenverstellbare Stöcke sind sehr zu empfehlen, da sie für den Aufstieg verkürzt und für die Abfahrt verlängert werden können.
  • Lawinensicherheitsausrüstung: Diese ist für jede Tour ins Backcountry nicht verhandelbar. Die essentielle Dreifaltigkeit besteht aus einem LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät) zur Ortung einer verschütteten Person, einer leichten Metallschaufel zum Graben und einer Sonde zur genauen Lokalisierung unter dem Schnee.
  • Rucksack: Ein Rucksack von etwa 30-40 Litern wird benötigt, um Sicherheitsausrüstung, Felle, zusätzliche Kleidungsschichten, Wasser und Essen zu transportieren. Viele Backcountry-Skifahrer verwenden heute Rucksäcke mit integrierten Lawinenairbag-Systemen für eine zusätzliche Sicherheitsebene.
  • Weitere Essentials: Ein Helm, Schichtenkleidung (Baumwolle vermeiden), Navigationswerkzeuge (Karte, Kompass, GPS-Gerät oder Telefon mit Offline-Karten), ein Erste-Hilfe-Set und eine Stirnlampe sind allesamt wichtige Bestandteile einer Tourenausrüstung.

Sicherheit zuerst: Navigation im Backcountry

Sich über die Grenzen des Skigebiets hinauszuwagen bedeutet, die Pistenrettung, markierte Abfahrten und Lawinenkontrolle hinter sich zu lassen. Sie und Ihre Partner sind vollständig für Ihre eigene Sicherheit verantwortlich. Diese Verantwortung kann nicht genug betont werden.

Die Hauptgefahr im winterlichen Backcountry sind Lawinen. Vor jeder einzelnen Tour ist es entscheidend, den lokalen Lawinenlagebericht zu prüfen und die aktuellen Bedingungen sowie das Risikoniveau zu verstehen. Das Lesen eines Berichts allein reicht jedoch nicht aus. Eine angemessene Ausbildung ist unerlässlich. Die Teilnahme an einem zertifizierten, mehrtägigen Lawinensicherheitskurs ist die wichtigste Investition, die Sie tätigen können. Diese Kurse lehren Sie, wie man gefährliches Gelände erkennt, die Stabilität der Schneedecke versteht, fundierte Entscheidungen trifft und eine Kameradenrettung effektiv durchführt.

Über das Lawinenrisiko hinaus sind Navigation, Wetter und Materialversagen alles potenzielle Probleme. Gehen Sie niemals alleine auf Tour. Fahren Sie immer mit einem vertrauenswürdigen Partner oder einer Gruppe, halten Sie eine gute Kommunikation aufrecht und treffen Sie konservative Entscheidungen. Der sicherste und effektivste Weg zu lernen, besonders am Anfang, ist die Anstellung eines voll qualifizierten IFMGA-Bergführers. Sie managen die Risiken, kümmern sich um die Navigation und haben die Erfahrung, den besten und sichersten Schnee zu finden.

Die ersten Schritte und das Finden Ihrer Linien

Der Weg ins Skitourengehen sollte ein schrittweiser sein, der auf einem Fundament aus Bildung und Erfahrung aufbaut.

Erste Schritte: Der beste Weg zu beginnen ist die Teilnahme an einem Einführungskurs oder das Anheuern eines Bergführers für einen Tag. Dies bietet eine sichere Umgebung, um den Umgang mit der Ausrüstung zu lernen und grundlegende Techniken zu üben, wie die Spitzkehre zum Richtungswechsel an steilen Hängen. Viele Leute entscheiden sich, die Ausrüstung für ihre ersten paar Ausflüge zu mieten, um herauszufinden, was für sie funktioniert, bevor sie in ein komplettes Setup investieren.

Fortschritt: Beginnen Sie mit kurzen Touren auf einfachem, flachem Gelände. Viele Skigebiete haben markierte Tourenrouten oder leicht zugängliches „Sidecountry“-Gelände direkt außerhalb der Begrenzungsseile, was ein guter Ort zum Üben sein kann. Wenn Ihre Fähigkeiten und Ihr Selbstvertrauen wachsen, können Sie sich weiter vorwagen und längere Tage sowie komplexeres Gelände in Angriff nehmen. Die Fortsetzung Ihrer Ausbildung mit weiterführenden Lawinenkursen ist ein wesentlicher Teil dieses Fortschritts.

Ziele: Die Alpen sind ein Paradies für Skitourengeher, mit legendären Routen rund um Chamonix, Verbier und die Silvretta. Jedoch findet man ausgezeichnete Tourenmöglichkeiten in Gebirgszügen auf der ganzen Welt. Viele Skigebiete sind fantastische Ausgangspunkte für Touren und bieten Liftzugang zu hochgelegenen Startpunkten. Unser Skigebietsverzeichnis kann Ihnen helfen, Ziele mit großartigem Backcountry-Zugang zu finden, von der weiten Wildnis von British Columbia bis zu den dramatischen Fjorden Norwegens.

Skitourengehen eröffnet die Berge auf eine Weise, die mit einem Skipass einfach nicht möglich ist. Es bietet unvergleichliche Belohnungen in Form von Abenteuer, Fitness und unberührtem Schnee. Es verlangt jedoch Respekt, Wissen und ein Bekenntnis zur Sicherheit. Der praktischste und wertvollste erste Schritt ist nicht der Kauf der neuesten Ausrüstung, sondern die Investition in Bildung und professionelle Führung. Lernen Sie von den Experten, fangen Sie langsam an, und ein Leben voller Bergabenteuer erwartet Sie.

FAQ

Wie fit muss ich für das Skitourengehen sein?

Eine gute Grundlagenausdauer ist erforderlich. Wenn Sie bequem einige Stunden bergauf wandern können, während Sie einen kleinen Rucksack tragen, sollten Sie in der Lage sein, eine Einsteiger-Skitour zu bewältigen.

Kann ich meine normale alpine Skiausrüstung für Touren verwenden?

Nein. Skitourengehen erfordert spezielle Ausrüstung, einschließlich Bindungen, die es Ihrer Ferse ermöglichen, sich für den Aufstieg zu heben, Schuhe mit einem 'Gehmodus' für die Knöchelflexibilität und Steigfelle für den Halt beim Aufstieg.

Ist Skitourengehen gefährlich?

Es birgt inhärente Risiken, die in Skigebieten nicht vorhanden sind, hauptsächlich durch Lawinen und unmarkiertes Gelände. Diese Risiken können durch angemessene Ausbildung, das Mitführen der richtigen Sicherheitsausrüstung und das Treffen konservativer Entscheidungen erheblich gemanagt werden.

Was ist das wichtigste Teil der Sicherheitsausrüstung?

Ihr Gehirn und Ihre Ausbildung sind am wichtigsten. Bei der physischen Ausrüstung sind die nicht verhandelbaren Gegenstände ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät), eine Metallschaufel und eine Sonde, und Sie müssen im Umgang damit geübt sein.

Was ist der beste Weg, um Skitourengehen zum ersten Mal auszuprobieren?

Der sicherste und angenehmste Weg, um anzufangen, ist die Anstellung eines zertifizierten Bergführers oder die Teilnahme an einem Einführungskurs. Sie bieten fachkundige Anleitung, kümmern sich um die Sicherheit und können oft auch die Ausrüstungsmiete organisieren.

Was ist der Unterschied zwischen Skitourengehen und Splitboarden?

Sie basieren auf demselben Prinzip des menschenbetriebenen Aufstiegs. Beim Skitourengehen werden zwei Skier sowohl für den Aufstieg als auch für die Abfahrt verwendet. Beim Splitboarden wird ein Snowboard verwendet, das sich für den Aufstieg in zwei 'Ski' teilt und für die Abfahrt wieder zu einem Board zusammengefügt wird.

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